Oct 302007
 

Die klare Nachricht des Buches ist: wer wir sind ist nur zu einem Teil durch unsere Gene bestimmt. Zu einem großen Teil ist das beeinflußt durch die Umgebung unserer Zellen. Zum einen die Umgebung außerhalb unseres Körpers, wie sie in der Kindheit durch die Eltern vorgegeben wird und später durch unsere eigenen Entscheidungen. Zum anderen aber auch die Umgebung in unserem Körper, wo Körperzellen durch Botenstoffe und Hormone beeinflußt werden, die wiederum durch unser Denken und Handeln beeinflußt sind.

Bruce Lipton schreibt in einem ungewöhnlichen und sehr authentischem Stil. Er verbindet eine populärwissenschaftliche Beschreibung der neuesten Entwicklung in der Zellbiologie und Epigenetik mit Parallelen und Bezüge zur Quantentheorie, mit physikalischen und metaphysischen Schlussfolgerungen und autobiographischen Elementen.

Das Buch räumt mit dem Primat des Darwinistischen Prinzips “The survival of the fittest” in der Evolutionstheorie auf. Stattdessen beruft sich der Autor auf Jean-Baptiste de Lamarck, der vierzig Jahre vor Darwin die erste zusammenhängende Evolutionstheorie definiert hatte. Darin wurde die Evolution durch zwei treibende Kräfte vorangetrieben. Die eine Kraft (Le pouvoir de la vie) lässt Organismen von simple in komplexere Formen entwickeln. Die andere Kraft ist die Adaption eines Organismus an seine Umgebung.

Er führt in die Zellbiologie und Epigenetik soweit ein, um die These zu widerlegen, dass Vererbung ausschließlich über die Gene (DNA) stattfindet. Vielmehr stellen diese nur eine Blaupause dar und können verschiedentlich “ausgelesen” (Transkription) werden. Dies hängt von den umschließenden Proteinen ab, welche wiederum von Signalen aus der Umwelt bestimmt werden: “It’s the environment, stupid.”

Damit kann sich die Entwicklung des Organismus an die Umgebung anpassen. Auch die Entwicklung zu höherer Ordnung ist nach Lipton nichts anderes als das Erfolgsrezept möglichst viel Information aus der Umgebung zu erhalten, was wiederum die Möglichkeiten der Anpassung steigert. Insofern sind Organismen höherer Ordnungen Kooperationen von spezialisierten Zellen, die in Kombination mehr Informationen verarbeiten können.

Letztlich ist das Erfolgsrezept der Evolution also nicht Konkurrenz, sondern Kooperation.

Die deutsche Übersetzung lässt sich gut lesen – allerdings bevorzuge ich, englische Titel im Original zu lesen.

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